Elsberg, Marc – Blackout. Morgen ist es zu spät

BlackoutHandlung:

Was macht man, wenn der Strom ausfällt?

Man wartet, bis er wieder angeht.

Was aber macht man, wenn der Strom nicht wieder angeht?

Der Programmierer Piero Manzano sitzt sprichwörtlich im Dunkeln. Italiens Stromversorgung ist zusammengebrochen – genauso wie im Großteil Europas.

Anstatt sich dem Schicksal zu fügen stellt er Nachforschungen an und hat bald erste Anhaltspunkte. Handelt es sich um eine Verschwörung oder gar um einem Terrorakt?

Während in Europa die Lebensmittel- und Medikamentenvorräte zur Neige gehen und die Menschen weder Benzin noch frisches Trinkwasser beziehen können, macht Piero sich gemeinsam mit der Kamerafrau Shannon auf, die Verantwortlichen aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Lage spitzt sich immer mehr zu und dann fällt auch in den USA der Strom aus.

Meine Meinung:

Dieser Roman vermittelt mehr Gänsehaut-Feeling als jeder Horror-Roman, der in den letzten Jahren hoch gelobt wurde, denn auf 800 Seiten fragt man sich zwanghaft immer wieder: Kann das wirklich passieren? Wie lang kann ich ohne Strom und fließendes Wasser (und die damit verbundenen Annehmlichkeiten) überleben? Braucht es wirklich nur einige Tage, um den ganzen Kontinent ins Chaos zu stürzen?

Hauptfigur ist Piero Manzano, ein liebenswerter Programmierer und Ex-Hacker, der durch Zufall erkennt, dass der Stromausfall auf keinen Fall willkürlich, und dafür von langer Hand geplant ist.

Aber auch andere Personen kann der Leser durch den Roman begleiten, unter anderem die Kamerafrau Shannon (in diesem Roman werden die Figuren nur beim Nachnamen genannt), Bollard – seines Zeichens Terrorverantwortlicher bei Europol, oder Michelsen, die im Innenministerium versucht, die außer Kontrolle geratene Lage wieder in den Griff zu bekommen.

Die (relativ) kurzen Kapitel sind in zeit- und ortsgebundene Handlungen unterteilt und so erlebt der Leser hautnah mit, wie binnen 12 Tagen ein ganzer Kontinent zusammenbrechen kann: Anfangs gibt es keinen Strom, ergo kein Licht und kein fließendes Wasser. Ohne Strom können Tankstellen nicht bedient werden, also gibt es weder Benzin noch Diesel. Diesen braucht man aber für Notstromgeneratoren. Ohne diese funktionieren keine Krankenhäuser … nicht zu vergessen die Atomkraftwerke die permanent Strom benötigen, um die Brennstäbe zu kühlen und so eine Kernschmelze zu verhindern.

„Blackout“ handelt von moderner Kriegsführung in Zeiten des Internets, Hunger, Not und Angst und dem „worst case“.

Auch nach Beendigung dieses Romans beschleicht den Leser ein ungutes Gefühl. Wie viele Trinkwasservorräte habe ich zu Hause? Kann ich meine Wohnung im Notfall auch ohne Strom beheizen? Und wohl die wichtigste aller Fragen: Wie weit bin ich vom nächsten aktiven AKW entfernt?

„Blackout“ ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite und eine absolute Leseempfehlung.

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Norman, Hilary – Die Rache der Kinder

Handlung:

Am Anfang sind sie nur vier Kinder aus einem Waisenhaus, die ein gemeinsames Lieblingsbuch haben. Sie benennen sich nach Figuren aus diesem Roman und spielen Monsterjagd.

Bis die Ankunft eines 5. Spielers alles verändert. Auch er kennt das Buch und ist begeistert von der Spielidee der Kinder – mit dem Unterschied, dass seine Spiele grausamer sind als die der anderen.

Gemeinsam bestrafen sie „Monster“ – Menschen, die in ihren Augen anderen Menschen Leid zugefügt haben und eine Bestrafung verdienen.

Bis das Spiel eines Tages außer Kontrolle gerät – und die mittlerweile erwachsen gewordenen Kinder einen Unschuldigen bestrafen.

Meine Meinung:

„Die Rache der Kinder“ ist ein Roman, der nicht nur durch eine spannende Handlung, sondern vor allem durch Grausamkeit im Gedächtnis bleibt.

Die vier Kinder mit Namen Jack, Simon, Roger und Piggy (diese Namen kennt man aus dem Buch „Der Herr der Fliegen“ von William Golding) sowie ihr Anführer Ralph haben allesamt in ihrem Leben viel Leid erfahren, wurden von ihren Eltern missbraucht oder im Stich gelassen. Nun haben sie ein ausgeprägtes Schuldbewusstsein und wollen, dass jede Ungerechtigkeit bestraft wird. Dass sie sich damit selbst zu Tätern machen ist ihnen zum Teil nicht bewusst und später im Erwachsenenalter ist es ihnen egal.

In verschiedenen Kapiteln wird aus der Sicht der vier Kinder, Ralph oder zwei der Opfer erzählt (was anfangs etwas verwirrend ist, sich aber nach einigen Kapiteln legt). Im Roman erfährt man somit viel mehr über die Opfer als über die Täter.

Meiner Meinung nach hat Hilary Norman zu wenig aus der Vergangenheit von Ralph und den vier Kindern erzählt. Einige wage formulierte Sätze reichen nicht aus um die Beweggründe von ihnen und somit sie selbst besser verstehen können. Somit erscheinen sie die ganze Geschichte über fast schon als Fremde, während man das Umfeld und den Alltag der Opfer kennt und es somit noch mehr schmerzt wenn man sie leiden sieht.

„Die Rache der Kinder“ kann ich an Leser weiterempfehlen, die Thriller lieben und auch gerne bereit sind etwas Neues auszuprobieren (denn hier spielen die Ermittler im Gegensatz zu den meisten anderen Thrillern nur eine kleine untergeordnete Nebenrolle).

Iles, Greg – 12 Stunden Angst

Handlung:

Eine unglücklich verliebte Mutter, ihr Lover und der betrogene Ehemann.

Laurel hat alles, was das Herz begehrt: Sie ist mit einem Arzt verheiratet, lebt in einem tollen Haus und hat zwei Kinder, die sie über alles liebt. Und sie ist wieder schwanger. Von ihrem Geliebten.

Als ihr Mann eines Morgens einen verräterischen Brief findet, nimmt er sie und die Kinder als Geiseln und verschanzt sich in seinem Haus – bis er weiß, mit wem ihn seine Frau betrogen hat.

Leider ist Laurels Ehebruch nicht sein einziges Problem.

Meine Meinung:

Normalerweise bin ich ein großer Fan von Psychothrillern in denen es um Eifersucht und betrogene Ehepartner geht, weil es einfach spannend ist, mitzuverfolgen, wie die einzelnen Charaktere agieren und sich in bestimmten Situationen verhalten.

„12 Stunden Angst“ konnte mich jedoch nicht überzeugen.

Laurel war mir vom ersten Kapitel an unsympathisch. In meinen Augen ist sie nicht nur naiv, sondern auch strohdumm. 400 Seiten lang hat sie gedacht, ihren Mann ohne Konsequenzen anlügen zu können und die Tatsache, dass sie auch dann nicht mit lügen aufgehört hat, als er sie schon längst durchschaut hatte, setzt der ganzen Farce die Krone auf.

Weiters war ich mir bei Warren nie sicher, ob er jetzt das arme bemitleidenswerte Opfer oder der skrupellose Bösewicht ist. Sein Charakter hat so schnell zwischen verletzt und eiskalt hin und her gewechselt, dass mir beim Lesen mehr als einmal schwindelig war. Auch konnte ich nicht verstehen, wie ihn seine beruflichen Probleme so kalt lassen können, nur weil ihn seine Frau betrogen hat.

Im Großen und Ganzen ist „12 Stunden Angst“ ein unterhaltsamer Roman für zwischendurch – wer jedoch lieber zu anspruchsvollen Thrillern mit einer spannenden Handlung, inhaltlichen Höhepunkten und sympathischen Charakteren greift, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Sullivan, Mark T. – Toxic

Handlung:

Ein grausamer Serienmörder geht um und versetzt San Diego in Angst und Schrecken. Die Opfer werden tot aufgefunden, mit Anzeichen von sexuellem Kontakt und Schlangenbissen an ihrem Körper.

Sergeant Moynihan soll anhand der Schlangenbisse und rätselhafter Botschaften am Tatort den Mörder finden.

Er verstrickt sich immer mehr in geheimnisvollen Rätseln und als ihn nicht nur seine, sondern auch die Vergangenheit des Mörders einholt, schwebt er in Lebensgefahr.

Meine Meinung:

Ich habe es tatsächlich geschafft – und habe „Toxic“ trotz meiner Angst vor Schlangen innerhalb weniger Tage durchgelesen. Wer Angst vor den beinlosen Reptilien hat, sollte vielleicht die Finger von diesem Buch lassen, denn sie sind neben Sergeant Moynihan die Stars dieses Romans.

Mambas, Vipern und Kobras werden dazu benutzt, unschuldige Männer zu foltern, zu quälen und anschließend sterben zu lassen. Ihr tödliches Gift soll als Bestrafung dienen.

Sergeant Moynihan braucht ziemlich lange, bis er den wahren Täter gefasst hat. Und auch sonst ist er ein sehr klischeehafter Ermittler. Er ist geschieden (!!), hat einen Sohn, den er natürlich nicht so oft sieht wie er gern würde, und fällt immer wieder auf die falschen Frauen hinein. Wer viele Thriller liest, erkennt, dass es sich bei diesen Tatsachen um etwas Gängiges und nichts Neues handelt.

Die anderen Figuren, Moynihans Kollegen, Randfiguren und der Täter, sind alle gut ausgearbeitet und geben tiefe Einblicke in die Welt des organisierten Verbrechens und der Reptilien.

In der „Ich“-Erzählform erzählt der Sergeant himself von diesem Fall und Mark T. Sullivan verschafft dem Roman somit eine sehr persönliche Note.

Fans von spannenden Thrillern mit einem unvorhersehbaren Ende sollten „Toxic“ lesen und danach zu weiteren Thrillern des Autors, wie „Panic“, „Limit“ oder „66095“ greifen.

Anscombe, Roderick – Hinterhältig

Handlung:

Der Psychologe Paul Lucas wird gebeten, mit einem jungen Stalker zu sprechen und so herauszufinden, ob er psychisch zurechnungsfähig ist und ob er verurteilt werden kann.

Bald wird Paul klar, dass Craig genau weiß, was er tut. Er liebt Natalie und will sie um keinen Preis aufgeben.

Als Paul sich weigert sich auf seine Seite zu stellen, zeigt Craig sein wahres Gesicht. Er verschafft sich Zutritt zu Pauls Leben, wühlt in seiner Vergangenheit herum und setzt alles daran um die Existenz des Psychologen zu zerstören. …

Meine Meinung:

„Hinterhältig“ ist ein Psychothriller, den man nur schwer aus der Hand legen kann. Ich habe die 400 Seiten an einem Tag gelesen, weil ich unbedingt herausfinden wollte, ob Craig mit seinen Taten durchkommt oder ob am Ende doch „die Seite des Guten“ siegen wird.

Bis zum Schluss war ich mir stellenweise nicht sicher, auf wessen Seite ich stehe. Zwischendurch war Paul nahe daran, in die Paranoia zu verfallen, manche seiner Thesen waren einfach zu unglaubwürdig und weit hergeholt um wahr sein zu können. Auch Craig hat seine Rolle gut gespielt. Nach außen hin war er das unschuldige Opfer das einsieht und bereut, nur Paul hat gesehen, wie Craig wirklich ist: berechnend und böse.

Roderick Anscombe hat hier einen Titel für seinen Roman gewählt, der nicht treffender sein könnte. „Hinterhältig“ zeigt die menschlichen Abgründe und wie weit manche Menschen gehen um sich zu rächen und das Leben anderer zerstören zu können.

Der Roman ist in der „Ich-Erzähler“-Form geschrieben und zeigt so sehr gut, wie Paul sich fühlt, wie er mit gewissen unvorhersehbaren Situationen umgeht und man versteht auch seine Denkweise besser.

Wells, Dan – Ich bin kein Serienkiller

Wells_Serienkiller_webHandlung:

Der 15-jährige John lebt mit seiner Mutter in einer kleinen Stadt. Er geht zur Schule und hilft ihr bei ihrer Arbeit in der Leichenhalle. Eigentlich ist er ein ganz normaler Junge, wäre da nicht das Monster in seinem Inneren, das Menschen töten und sie leiden lassen will. John kämpft trotz seines Interesses an Serienkillern dagegen an – er will kein Soziopath sein oder werden.

Als dann in der Stadt in der er wohnt etliche Morde passieren, beschließt er, den Mörder zu finden und zu stellen. Als er ihn schließlich gefunden hat, muss er sich nicht nur einem Dämon in Menschengestalt stellen, sondern seinem eigenen inneren Monster.

Meine Meinung:

„Ich bin kein Serienkiller“ überzeugt mit einer spannenden Handlung, einer leichten Schreibweise und hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen.

John ist ein Jugendlicher mit ganz alltäglichen Problemen. Er interessiert sich für ein Mädchen, hat nicht viele Freunde und fühlt sich oft wie ein Außenseiter. Nichts Besorgniserregendes – wäre da nicht seine große Begeisterung für Serienkiller und Leichen. Trotzdem ist er in meinen Augen ein sehr sympathischer Junge. Er will seine Mutter nicht verletzen, er will anderen Menschen helfen und – in meinen Augen ganz wichtig – er will dem Monster in seinem Inneren nicht nachgeben.

Auf rund 370 Seiten erzeugt Dan Wells ein gänsehautverursachendes Gebilde mit Elementen aus Horror-Romanen, Thrillern und einem Hauch Übersinnlichem. Auf sein Erstlingswerk kann er mit Sicherheit stolz sein.

Einziges Manko ist die Aufmachung des Romans. Das kreative Cover kann leider nicht die Schwächen des Rough Cut ausgleichen.

Nasaw, Jonathan – Seelenesser

Handlung:

Dies ist ein weiterer Roman über die Fälle von Special Agent Pender, der mittlerweile pensioniert ist und über diese Tatsache gar nicht glücklich ist.

Dieses Buch ist aufgeteilt in 5 parallele Handlungsstränge.

Special Agent Pender wird von einem Freund auf die Insel St. Luke eingeladen, da dort ein Serienmörder umgeht, der seinen Opfern die rechte Hand abhackt.

Phil und Emily Epp sind Forscher und wohnen auf St. Luke. Mitsamt ihrem Hausdiener Bennie glauben sie an einen speziellen Glauben und daran, dass sie Stärke und ein verlängertes Leben erhalten, wenn sie den letzten Atemhauch eines sterbenden Menschen einatmen.

Lewis und Lindsay Apgard sind ein reiches Ehepaar. Lewis hat leider finanzielle Probleme und trinkt zu viel. Um sein größtes Problem zu bereinigen, bittet er Phil und Emily Epp um Hilfe.

Holly wohnt mit ihren Pflegekindern Marley und Dawn auf St. Luke und verdient sich ihr Geld als Masseurin.

Dawson wohnt ebenfalls auf St. Luke und verliebt sich in Pender.

Zu Anfang gibt es noch eher vereinzelt Morde, dann geht alles rasend schnell und eine Person nach der anderen stirbt unter der Hand des grausamen Macheten-Mannes. Wird Pender schnell genug sein, um ihn aufzuhalten oder hat er sich diesmal mächtig geirrt

Meine Meinung:

Ich liebe die Romane von Jonathan Nasaw. Er schreibt so wahnsinnig spannend, ohne langatmig zu sein. Er sucht sich exotische Orte für die Handlung aus und versteht es, mehrere Personen perfekt miteinander verschmelzen zu lassen.

Obwohl Pender für einen Special Agent schon zu alt ist, stürzt er sich voller Tatendrang auf diesen neuen Fall – natürlich genießt er auch das tolle Klima auf der Karibikinsel und die Gesellschaft von einer schönen Frau (wie in jedem Roman von Nasaw).

Trotz seinem nicht-beeindruckbaren Aussehen, seinen Alkoholproblemen ist einem Pender einfach sofort sympathisch, weil für ihn das wichtigste auf der Welt ist, unschuldige Menschen von kranken Serienmördern zu beschützen. Und es gelingt ihm auch dieses Mal.

Im Grunde sind alle Figuren in „Seelenesser“ irgendwie sympathisch, bzw. man kann sich leicht in sie hineinversetzen und versteht, warum sie manche Dinge anders sehen und handeln als wir – auch wenn es nicht richtig ist.

Wie alle Nasaw-Romane geht auch dieser Roman gut aus – was bei einem Thriller ja keine Selbstverständlichkeit ist.