Ivey, Eowyn – Das Schneemädchen

SchneemädchenHandlung:

Jack und Mabel sind nach einer Fehlgeburt so voller Trauer und Hoffnungslosigkeit, dass sie beschließen nach Alaska auszuwandern und dort in der Einsamkeit ein neues Leben zu beginnen.

Die Arbeit auf der Farm ist härter als erwartet und Jack und Mabel entfernen sich immer mehr voneinander.

Als der erste Schnee fällt, erinnern sie sich wieder an die Gefühle, die sie füreinander hegen und bauen aus Spaß an der Sache ein Schneemädchen. Am Morgen darauf ist dieses verschwunden, dafür taucht ein kleines Mädchen in einem blauen Mantel auf, das sehr schüchtern zu sein scheint und sich ihnen nur zaghaft nähert.

Mabel ist überglücklich. Für sie ist das Schneemädchen die Antwort auf ihre Gebete und somit das Kind, das sie nie hatten. Doch sie kennt auch das russische Märchen vom Schneemädchen, das beim ersten Schnee wie aus dem Nichts auftaucht und im Frühling für immer geht …

Meine Meinung:

„Das Schneemädchen“ ist einer der schönsten Romane, die ich seit langem gelesen habe. Eowyn Ivey hat dem Leser hiermit ein einziges langes Märchen geschenkt, welches man nicht nur an kalten Winterabenden genießen kann.

Mabel und Jack habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Auch wenn sie ihre Gefühle für den anderen nicht immer zeigen können, merkt man doch, dass sie da sind und dass die beiden gemeinsam Glück und Leid durchleben können. Ebenso nimmt man Anteil an ihrer Trauer wegen ihrem kinderlosen Dasein und freut sich mit ihnen als sie überglücklich sind, als das Schneemädchen Faina in ihr Leben tritt.

Auch die Nachbarn George und Esther sowie ihren jüngsten Sohn Garrett mochte ich sofort. Mit ihrer Hilfsbereitschaft und Freundschaft ermöglichen sie Mabel und Jack das Überleben in Alaska während eines besonders schweren Jahres.

Faina war für mich eine Mischung aus einem ganz besonderem Kind, einer Elfe und einem Engel. Sie verändert das Leben ihrer Zieheltern zum positiven und gibt ihnen Kraft und Hoffnung und während dem Lesen wünscht man sich eigentlich nur, dass die drei für immer vereint sein werden.

„Das Schneemädchen“ liest sich sehr flüssig und schnell, weil man es nur schwer aus der Hand legen kann.

Für mich also ein Meisterwerk voller Liebe, Zuversicht, Vertrauen, Freundschaft und einem Hauch von Magie (der in mir sofort den Wunsch geweckt hat nach Alaska zu reisen um dort einen Winter erleben zu können), sowie einem traumhaft scbönen Cover.

Ich freue mich schon sehr auf weitere Werke von dieser talentierten Autorin.

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Cohn, Rachel (und Levithan, David) – Nick & Norah. Soundtrack einer Nacht

Nick und Norah Soundtrack einer Nacht von Rachel Cohn und David LevithanHandlung:

Dieser Roman handelt von zwei jungen Menschen, die an Trennungsschmerz und Liebeskummer leiden und mitten in New York zueinander finden.

Nick ist Bassist in einer Queercoreband und kann seine Ex-Freundin Tris nicht vergessen; Norah steht kurz vor ihrem Highschool Abschluss und weiß nicht, was sie danach machen soll – sie weiß nur, dass sie ihren Ex-Freund Tal zurückhaben will.

In einem Club treffen die beiden zum ersten Mal aufeinander und Nick bittet Norah für 5 Minuten seine Freundin zu spielen. Norah willigt ein und so verbringen sie eine ganze Nacht miteinander und machen New York unsicher.

Zwischen den beiden beginnt sich etwas zu entwickeln, aber sind ihre Gefühle stark genug um ihre Ex-Partner endgültig hinter sich zu lassen und miteinander neu zu beginnen?

Meine Meinung:

„Nick & Norah“ ist ein wunderschöner Roman über das Leben und die Liebe – beide wurden zutiefst verletzt und sind sich nicht sicher, ob sie sich gefühlsmäßig schon auf einen neuen Menschen einlassen können oder wollen.

Die Autoren überzeugen in diesem Roman mit sympathischen Charakteren voller Herz (die abwechselnd kapitelweise von dieser besonderen Nacht erzählen).

Nick ist der sensible Musiker, der seine Gefühle durch selbstgeschriebene Songs ausdrückt und Norah ist die schnell eingeschüchterte Schülerin die mit ihrem Ruf als „frigides Mädchen“ so gar nichts anfangen kann.

Als die beiden aufeinander treffen kommt es zu Höhen und Tiefen bei ihrem Kennenlernen, sie müssen mit Unsicherheit, Wut und sexueller Begierde zurechtkommen und lernen, damit umzugehen.

„Nick & Norah“ ist für mich der literarische Beweis, dass nach jedem Trennungsschmerz der Moment kommt, wo einem klar wird, dass man nicht alleine ist und es immer jemanden gibt, dem man wichtig ist – man darf sich nur nie selbst aufgeben.

Lebert, Benjamin – Flug der Pelikane

Handlung:

Der 24-jährige Anton wird von seiner Freundin Eleanor verlassen und um dem Liebeskummer zu entfliehen beschließt er den Sommer über in New York bei seinem Onkel Jimmy zu verbringen, der ein kleines Restaurant in Manhattan betreibt.

Anton verbringt seine Zeit als Aushilfe in Jimmys Restaurant und erfährt neben der Arbeit viel über seinen Onkel, der ihm nicht nur Persönliches aus seinem Leben erzählt, sondern Jimmy auch an seiner großen Leidenschaft teilhaben lässt: der Gefängnisinsel Alcatraz.

Anton verliert sich innerhalb kürzester Zeit in den spannenden Geschichten und wird wie sein Onkel zu einem Alcatraz-Fan – bis sein Leben erneut auf den Kopf gestellt wird.

Meine Meinung:

Benjamin Lebert kann einfach gut schreiben. Er schafft es innerhalb von wenigen Seiten den Leser in seinen Bann zu ziehen und erst wieder loszulassen, wenn seine Geschichte zu Ende ist.

Bei „Flug der Pelikane“ macht er keine Ausnahme. Auf weniger als 200 Seiten entführt er uns nach Manhattan/New York, lässt uns die Stadt und Menschen besser kennen- und lieben lernen. Mit einer Vorliebe fürs Detailgetreue vermittelt er uns das faszinierende Gefühl, selbst am Ort des Geschehens zu sein.

Und als würden perfekt ausgearbeitete Charaktere und gute Rahmenbedingungen für eine spannende Handlung nicht genügen, versorgt uns Benjamin Lebert noch dazu mit Details über die Gefangeneninsel Alcatraz. Die jeweiligen Absätze im Roman sind gut recherchiert, entsprechen ausnahmslos den Tatsachen und gewähren tiefe Einblicke in das Leben der damaligen Gefangenen.

Benjamin Lebert hat mit 17 Jahren seinen ersten Roman veröffentlicht. „Flug der Pelikane“ ist sein Vierter. Ich hoffe, er schreibt noch lange weiter und begeistert uns mit Romanen, die einen berühren und für wenige Stunden den Alltag vergessen lassen.

Picoult, Jodi – Das Herz ihrer Tochter

Handlung:

Das Leben von June Nealson ändert sich von einem Tag auf den anderen – an dem Tag, an dem der Handwerker Shay Bourne ihre Tochter und ihren Mann ermordet.

In einem Gerichtsprozess wird Shay von den Geschworenen für schuldig befunden und über ihn wird die Todesstrafe verhängt.

Er wartet elf Jahre lang auf die Vollstreckung des Urteils, bis er erfährt, dass Junes andere Tochter Claire einen Herzfehler hat und ohne Spenderherz bald sterben wird. Shay beschließt sein Herz zu spenden.

Meine Meinung:

Mit „Das Herz ihrer Tochter“ hat Jodi Picoult es geschafft, mir beim Lesen die Tränen in die Augen zu treiben. Die zentralen Themen Religion, Todesstrafe, Schuld, Leben und Sterben laden hier immer wieder zum Nachdenken und Mitfühlen ein.

Sehr gut gefallen hat mir, dass man nicht nur Junes Erfahrungen und Gefühle teilen kann. Neben ihr kommen noch Maggie, Shays Anwältin und Michael, Shays Seelsorger, zu Wort. Sie erzählen von Shay, dem Mörder, der zurückgezogen und schüchtern wirkt und ihrem Kampf für und mit einem Menschen, der einem sofort sympathisch ist, obwohl er zwei Menschenleben ausgelöscht hat.

Während dem Lesen habe ich mich ständig gefragt, ob Shay wirklich sterben wird und ob er sein Herz Claire spenden kann? Bis zum Ende war unklar, ob June das Herz überhaupt für ihre Tochter will und ob Shay bis zum bitteren Ende hinter seiner Entscheidung steht.

Auch das Thema Todesstrafe hat mich lange nicht losgelassen. Ich habe mich gefragt, ob ich für oder gegen die Todesstrafe bin und ob meine Entscheidung anders ausfallen würde, wenn ich ein Kind hätte.

Jodi Picoults Romane regen immer zum Denken an, und lassen einen auch dann nicht los, wenn man das Buch schon längst beendet hat (ähnlich wie bei „Beim Leben meiner Schwester“ und „19 Minuten“ – auch diese Bücher gehen mir oft nicht aus dem Kopf).

Mit einer umfangreichen spannenden Handlung (bis zum Ende war ich mir unsicher, wie das Buch ausgehen wird) und Hauptfiguren, die so lebendig wirken, als würden sie neben einem stehen ist dieser Roman (auch Dank der einfachen Schreibweise; abgesehen von den Kapiteln, in denen über Religion gesprochen wird) es einfach wert, gelesen zu werden. Das kleine Manko, dass ich mir auch jetzt noch über einige Ereignisse der Geschichte im Unklaren bin (Shays Wundertaten haben mich in ein großes Loch der Verwirrung gestürzt und nicht mehr daraus zurückgeholt), ändert nichts daran, dass dieses Buch definitiv ein Highlight meines Lesejahres 2010 ist.

Brasme, Anne-Sophie – Dich schlafen sehen

Handlung:

Charlene ist der typische Außenseiter. Nachdem ihre erste beste Freundin weggezogen ist, ist sie lange alleine. Sie ist still und verschlossen.

Das alles ändert sich, als sie mit 13 Sarah kennenlernt und die beiden Mädchen Freundinnen werden. Sarah ist beliebt, selbstbewusst und lustig – all das, was Charlene auch sein will. Die beiden sind unzertrennlich – bis Sarah eines Tages ihr wahres Gesicht zeigt.

Sie möchte Charlene besitzen und dominieren, ihr ihren Willen aufzwingen. Sie ist grausam, macht sich über sie lustig und ignoriert sie bewusst, um sie zu verletzen.

Bis Charlene nur mehr einen Ausweg sieht.

Meine Meinung:

„Dich schlafen sehen“ ist das bewegende Debut der französischen Schriftstellerin Anne-Sophie Brasme. In ihrem Roman beschreibt sie wie wunderschön und gleichzeitig erschreckend Freundschaften zwischen jungen Mädchen sein können.

Charlene und Sarah könnten nicht unterschiedlichere Charaktere sein. Die eine hat all das, was die andere nicht hat und sich sehnlichst wünscht, und weiß, wie sie diese Tatsache zu ihren Gunsten nützen kann.

Sarah kann man wirklich nur als grausam bezeichnen. Wenn sie Charlene braucht, ist sie nett zu ihr, ansonsten beachtet sie sie nicht und beleidigt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Charlene ist so auf diese Freundschaft (Liebe) fixiert, dass ihr die Gemeinheiten auf der einen Seite nichts ausmachen und sie auf der anderen Seite davon überzeugt ist, selbst etwas falsch gemacht zu haben.

Beide Mädchen sind sehr ausdrucksstark beschrieben und gewähren so tiefe Einblicke in ihrer beider Leben und ihre Freundschaft.

Mit 192 Seiten ist der Roman eher kurz gehalten, überzeugt jedoch durch eine einfache Sprache (in der Charlene als Ich-Erzähler auftritt) und viele gefühlvolle Momente.

Zusak, Markus – Die Bücherdiebin

Handlung:

Liesel ist 9, als sie von ihrer leiblichen Mutter in die Hände von Rosa und Hans Hubermann übergeben wird. Ihre Pflegeeltern geben ihr ein neues Zuhause und Hans Hubermann bringt ihr sogar das Lesen bei.

Liesel liebt Bücher und das Lesen – und so ist es nicht verwunderlich, dass sie beginnt, Bücher zu stehlen, anfangs ohne groß darüber nachzudenken und später dann in vollem Bewusstsein. Eines Tages bleibt es nicht bei den Büchern.

Mit ihrem besten Freund Rudi beginnt sie Äpfel gegen den Hunger zu stehlen. Dabei hat sie nicht bemerkt, dass sie schon lange das Herz von Rudi gestohlen hat, ebenso wie das Herz ihrer Pflegeeltern und Max, einem Juden, den sie während des 2. Weltkrieges in ihrem Keller verstecken.

Eines Tages hält der Krieg Einzug in der Straße in der Liesel wohnt und alles ändert sich.

Meine Meinung:

„Die Bücherdiebin“ ist ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite tief beeindruckt hat. Anfangs war es sehr gewöhnungsbedürftig einen Roman zu lesen, der von niemand geringerem als dem Tod persönlich erzählt wird. Wenn man mit ihm die Seelen der Toten abholt und davonträgt, kann man sich einer Gänsehaut nicht erwehren.

Schauplatz ist Molching bei München zur Zeit des 2. Weltkrieges. Liesels Vater ist gegen Hitler und die NSDAP und auch sonst ein sehr sympathischer Mann. Er kümmert sich rührend um seine Pflegetochter und nimmt dann auch noch einen Juden auf, der sonst zum Tode verurteilt ist. Auch Rosa, seine Frau ist trotz ihres harten Äußeren eine sehr liebe Frau, die ihre Zuneigung durch Worte wie „Saukerl“ und „Saumensch“ zum Ausdruck bringt. Dann gibt es noch Rudi, Liesels besten Freund, der mehr Unsinn im Kopf hat als jeder andere und Max der Jude, der mit Liesel die Liebe zu Wörtern und Büchern teilt.

Markus Zusak hat in seinem Roman Figuren erschaffen, die einen auch lange nach der Beendigung dieser Lektüre nicht verlassen werden (sogar der Tod war mir stellenweise sehr sympathisch). Er hat aus einem heiklen Thema (jeder weiß, dass die Jahre des 2. Weltkrieges voller Grausamkeit, Menschenverachtung und Hass gespickt waren) eine großartige Geschichte gemacht, hat uns an einem Stück Zeitgeschichte teilnehmen lassen und hat uns bis zum Ende Hoffnung geschenkt.

Ich werde an dieser Stelle natürlich nicht verraten, ob die Hoffnung erhalten bleibt oder nicht, aber ich kann gerade so viel verraten:

Liesel hat am Ende von „Die Bücherdiebin“ nicht nur die Herzen ihrer Familie und Freunde gestohlen, sondern auch das Herz manchen Lesers.

Kluun – Mitten ins Gesicht

Handlung:

Stijn und Carmen sind glücklich verheiratet. Sie haben eine kleine Tochter namens Luna, beide besitzen eine eigene Firma und dementsprechend Geld.

Bis bei Carmen eines Tages Brustkrebs diagnostiziert wird. Von nun an bestimmen Chemotherapien und Schmerzen ihr Leben.

Stijn tut alles um seiner Frau zu helfen und ihr Leben zu erleichtern. Doch irgendwann wird ihm alles zu viel und er wendet sich seinem großen Hobby zu: er schläft mit anderen Frauen.

Und so bereiten sich Stijn und Carmen jeder auf seine eigene Art und Weise auf das große Finale vor. …

Meine Meinung:

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass meine Gefühle so zwiegespalten hat wie dieses.

Auf der einen Seite wollte ich das Buch nicht mehr weiterlesen, weil ich nicht verstehen konnte, wie Stijn seiner Frau so etwas antun kann. Auf der anderen Seite konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich wissen musste, wie es mit Carmen weitergeht, ob sie den Kampf gegen den Krebs gewinnt oder verliert und ob Stijn sich vielleicht doch ändert.

Stijn war Carmen von Anfang an untreu, das Fremdgehen war wie eine Sucht für ihn. Ich hatte das Gefühl, je schlimmer der Gesundheitszustand seiner Frau wurde, desto mehr hatte er das Bedürfnis mit anderen Frauen zu schlafen. Das macht ihn nicht unbedingt zu einem sympathischen Charakter. Trotzdem war er immer für seine Frau da, während der Chemotherapie, als ihre Brust amputiert wurde, als ihre Haare ausfielen, er blieb sogar in ihren schlimmsten Stunden an ihrer Seite. Das sollte man ihm hoch anrechnen.

Wie die beiden mit dem Tod umgehen und ihre dreijährige Tochter darauf vorbereiten hat mich sehr gerührt und mir mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben. Es muss schwer sein als Mutter zu wissen, dass man bald nicht mehr für das eigene Kind da sein kann und dass man es nicht aufwachsen sehen wird.

Kluun hat hier einen Roman geschaffen, der die Gemüter berühren und aufmischen wird. Tränen und Lachen werden sich abwechseln und zum Schluss wird man es nicht bereut haben, das Buch zu Ende gelesen zu haben.

Kleines Manko sind die musikalischen Zitate am Anfang jedes Kapitels. Sie sind für Handlung und Verstehen des Romans unnötig und unterbrechen nur den Lesefluss.