Márquez, Gabriel García – Erinnerung an meine traurigen Huren

Handlung:

„Erinnerung an meine traurigen Huren“ handelt von einem alten Mann. An seinem 90. Geburtstag will er sich ein besonderes Geschenk machen: Eine Nacht mit einer Jungfrau.

In dieser Nacht kommt jedoch alles anders als er es erwartet hat: Er verliebt sich zum ersten Mal in seinem Leben.

Bisher kannte er nur die käufliche Liebe und hatte immer für Sex bezahlt. Nun genügt es ihm, dem schönen Mädchen beim Schlafen zuzusehen. Doch wird sie seine Liebe erwidern?

Meine Meinung:

Ich bin sehr zwiegespalten, was die Bewertung dieses Buches angeht. Mit 160 Seiten ist es einfach zu kurz für diese umfassende Handlung. Man kann weder den alten Mann noch das Mädchen sehr gut kennenlernen.

Der Leser muss mit wenig Details auskommen. Namen scheinen in diesem Roman unwichtig zu sein, genauso wie genaue Zeitangaben.

Trotzdem lässt einen das Buch nicht mehr los. Gleich auf der ersten Seite stellt man sich die Frage: Wird er mit dem Mädchen schlafen, obwohl sie erst 14 ist? Und nach der ersten gemeinsamen Nacht will man unbedingt wissen, ob sich die beiden wiedersehen oder ob er fortan ohne sie leben muss?

Gabriel Garcia Marquez hat mit seiner Hauptfigur einen Charakter geschaffen, der auf der einen Seite sehr liebenswert erscheint (er scheint sehr spendabel und feinfühlig zu sein), auf der anderen Seite dürfte er auch dunkle Charaktereigenschaften besitzen (er hat sein ganzes Leben lang Prostituierte besucht und schreckt auch nicht vor dem Gedanken zurück, einem jungen Mädchen die Unschuld zu rauben).

Im Großen und Ganzen kann ich das Buch an folgende Menschen empfehlen: Fans von Gabriel Garcia Marquez, Liebhaber von kurzen Geschichten und jene Menschen, die trotz einem verwirrenden Ende an ein Happy-End glauben.

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Orwell, George – 1984

Handlung:

In George Orwells Roman „1984“ geht es um genau dieses Jahr. Es ist ein Jahr der Überwachung, Kontrolle und des Verrats – und wenn man der Partei Glauben schenken will, war es nie anders.

Der Große Bruder sieht (und hört) alles. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass sie dank des Teleschirms nichts mehr unbeobachtet tun können, sie arbeiten für die Partei, gehören der Anti-Sex-Liga an und schicken ihre Kinder zu den „Spitzeln“. Sie haben aufgehört zu denken, zu fühlen und zu existieren.

Winston Smith ist anders. Er hasst die Partei und den großen Bruder und sein sehnlichster Wunsch ist es, beide zu stürmen und wieder als „freier“ Mensch leben und denken zu können.

In der Genossin Julia findet er eine Verbündete und Geliebte. Doch beide wissen, dass sich noch niemand für immer vor dem großen Bruder verstecken konnte.

Meine Meinung:

Obwohl dieser Roman reine Fiktion ist, bleibt nach dem Lesen ein fahler Nachgeschmack. Was, wenn es wirklich eines Tages so sein wird? Kann so etwas wirklich möglich sein?

In George Orwells Roman „1984“ gibt es keine Fiktion, sondern nur Tatsachen.

Die Gattung Mensch mit freiem Willen, freien Gedanken und der Möglichkeit des freien Lebens ist verschwunden und wurde ersetzt durch Kreaturen, die all das nicht mehr besitzen. Sie leben ohne etwas zu hinterfragen, sie lieben was der große Bruder liebt und sie hassen, was die Partei hasst. Sie verraten sich gegenseitig, machen sich über nichts mehr Gedanken und haben sich damit abgefunden – weil es laut der Partei nie anders war.

Die Partei, der lange Arm des großen Bruders, überwacht alles. Sie sehen und hören alles, und wenn ihnen etwas oder jemand nicht passt – wird es ganz einfach geändert.

Die Vergangenheit als solche existiert nicht mehr, denn sie wird jeden Tag aufs Neue verändert, auf dass die Partei immer Recht hat und im Endeffekt nur Gutes für die Menschen getan hat. Auch Menschenleben können einfach ausgelöscht werden – somit hat es sie nie gegeben.

Eine vereinfachte Sprache (Neusprech) in der unbeliebte/unnötige Wörter einfach weggelassen werden (und somit das Nicht-Denken erleichtern) rundet die Horrorvision des Jahres 1984 ab. George Orwell hat somit in seinem Roman eine Welt erschaffen, die schrecklicher und furchterregender nicht sein könnte.

Stellenweise ist der Roman nicht leicht zu lesen oder zu verstehen – im Besonderen meine ich damit die Kapitel, die sich mit dem „Buch“ (die Feindesschrift gegen den großen Bruder und die Partei) befassen.

„1984“ ist ein großartiger Roman, der zum Nachdenken anregt und stellenweise gruseliger als ein richtiger Horrorroman ist. Zu Recht ordne ich diesen Roman in die Kategorie „Klassiker/Weltliteratur“ ein.

Tolstoi, Leo – Anna Karenina

kareninaHandlung:

„Anna Karenina“ erzählt die Geschichte der Frau des Staatsbeamten Karenin, welche sich in den Grafen Wronskyij verliebt und mit ihm eine Affäre beginnt. Damit zieht sie automatisch die Missgunst der russischen Adelsgesellschaft auf sich und ihren Liebhaber.

Zur gleichen Zeit kriselt es auch  in der Ehe von Anna Kareninas Bruder Stepan Oblonskij und dessen Frau Dolly.

Einzig und allein der Freund von Stepan Oblonskij, Konstantin Ljewin, ist eigentlich guter Dinge, ist er doch unsterblich in die junge Prinzessin Kitty Schtscherbazkaja verliebt.

Dann überhäufen sich die Ereignisse.

Wird sich das Ehepaar Oblonskij wieder zusammenraufen und wird Konstantin Ljewin die Dame seines Herzens erobern können? Und wird Anna Karenina endlich ihr persönliches Glück finden und behalten können?

Meine Meinung:

„Anna Karenina“ ist eines der großen Werke von Leo Tolstoi aus dem Jahr 1877/1878 in welchem er über Liebe, Ehe und Moral im Russland des 19. Jahrhunderts schreibt. Neben langen Dialogen über die Wirtschaft findet man hier in insgesamt acht Teilen auch Jagdszenen und wunderschöne Landschaftsbeschreibungen.

Auf 1300 Seiten erzählt Tolstoi die Geschichten von drei Familien, die, teilweise verwandt und teilweise befreundet, eng miteinander verbunden sind. Er beschreibt jede einzelne seiner Hauptfiguren charakterlich sehr ausgeprägt und spart auch nicht an Details und für das Gesamtbild wichtigen Handlungssträngen.

Wer kein Französisch kann, sollte eine Ausgabe mit Übersetzungen lesen, da im 19. Jahrhundert in Russland oft Französisch gesprochen wurde und Tolstoi diese Redewendungen in der Originalsprache wiedergegeben hat. Auch an  (teilweise groben) Rechtschreibfehlern darf man sich bei manchen Übersetzungen nicht stören.

Wer Tolstois „Anna Karenina“ liest, erhält somit einen detaillierten Einblick in die politische, wirtschaftliche und soziale Welt des russischen Adels und lernt diese Welt kennen und lieben. Wer „Anna Karenina“ nur um Annas Geschichte willen liest, könnte allerdings vom 8. und somit letzten Teil des Romans etwas enttäuscht werden, wird doch der Schwerpunkt der Geschichte auf eine andere Person verlagert.

„Anna Karenina“ ist nicht nur ein Roman für lange Winternächte. Wer ihn gelesen hat, wird ihn weiterempfehlen wollen.

Stoker, Bram – Dracula

Handlung:

Jonathan Harker, ein junger Rechtsanwalt aus London, reist nach Transilvanien um sich mit Graf Dracula zu treffen, der ein Haus in London kaufen will.

Jonathan hält die Geschehnisse in seinem Tagebuch fest. Auch als in der Burg seines Gastgebers seltsame Dinge passieren, schreibt er alles nieder.

Als er nach einem Anschlag auf sein Leben zurück nach London kommt, überschlagen sich die Geschehnisse. Die beste Freundin seiner Verlobten Mina ist einer seltsamen Krankheit zum Opfer geworden und deren Arzt hat den Gelehrten Van Helsing kontaktiert, um herauszufinden, was hier passiert.

In Tagebucheinträge, Briefen und Logbüchern halten die tapferen Menschen fest, wie sie nach und nach auf Draculas Spur stoßen und ihn gnadenlos jagen um die eine zu schützen, für die sie sogar sterben würden.

Meine Meinung:

„Dracula“ ist der Ur-Vampirroman, der, den jeder Vampirfan gelesen hat und der zahlreiche Male verfilmt worden ist.

Ich habe diesen Roman mit großem Interesse gelesen, bin aber nicht so begeistert, wie ich es zu sein erhofft hatte.

Draculas Geschichte, die neben der Geschichte von Jonathan Harker, seiner Freundin und dem berühmten Van Helsing erzählt wird,  ist spannend, teilweise unvorhersehbar und einzigartig. Aber oftmals stellt sich mir die Frage: Wie können Jonathan und die anderen nur so naiv sein? Sehen sie denn nicht, dass sie es mit einem Vampir zu tun haben?

Als Jonathan Harker in Draculas Burg zu Gast ist, kommt ihm einiges rätselhaft und seltsam vor. Aber anstatt auf das einzig Richtige zu schließen, wartet er lieber ab und findet teils obskure Entschuldigungen für Draculas Verhalten. Hier hat Bram Stoker den Roman etwas von seiner „Brillanz genommen“.

Auf jeden Fall ist noch positiv anzumerken, dass der Roman nicht nur von Jonathan allein erzählt wird. Die Tagebucheintragungen (der vielen verschiedenen Persönlichkeiten) gewähren einen sehr guten Einblick in das Geschehen und zeigen Dinge, die ein Charakter erlebt hat, der andere jedoch nicht.

Im Großen und Ganzen ist „Dracula“ jedoch zurecht ein Meisterwerk der Literatur und nur zum weiterempfehlen.

Bronte, Emily – Die Sturmhöhe

Handlung:

„Sturmhöhe“ erzählt die Geschichte zweier Familien, die untrennbar in Liebe und Hass miteinander verbunden sind.

Die Familie Earnshaw und ihr Findelkind Heathcliff bewohnen Wuthering Heights (auf Deutsch Sturmhöhe); der Familie Linton gehört das Gut Trushcross Grange.

Die Haushälterin Ellen Dean wird Zeuge von Intrigen und teuflischen Plänen, mit denen sich Heathcliff an beiden Familien rächen will.

Jahre später erzählt Nelly, wie Ellen Dean von allen genannt wird, dem Pächter Lockwood die Geschichte der beiden Familien und dieser hält sie für immer in seinem Tagebuch fest.

Meine Meinung:

Einmal begonnen „Die Sturmhöhe“ zu lesen, war ich auf der einen Seite geschockt und auf der anderen Seite tief beeindruckt.

Sturmhöhe ist im Großen und Ganzen die Geschichte von dem Findelkind Heathcliff, der bedingungslose Liebe und abgrundtiefen Hass zu spüren bekommt und eines Tages beschließt sich zu wehren und sich nicht alles gefallen zu lassen.

Oft habe ich das Buch zur Seite gelegt und darüber nachgedacht, wie ein Mensch alleine so boshaft und durchtrieben sein kann – und bin nun der Meinung, dass er einfach nicht anders konnte. Er wurde selten akzeptiert und konnte es eigentlich niemandem recht machen.

In Tagebuchform erzählt und mit 2 Ich-Erzählern sind manche Passagen verwirrend (Wer erzählt denn nun?), aber man bekommt auch einen guten Einblick in das Geschehen, weil von Außenstehenden erzählt wird, die nicht mit den beiden Familien verwandt sind und somit objektiv weitergeben können, was sich denn nun zugetragen hat.

„Die Sturmhöhe“ ist mit Recht ein Klassiker, der hochgelobt wird – denn er verspricht, was er hält.