Little, Bentley – Verderben

Handlung:

Bill Davis ist ein glücklicher Mensch. Er hat alles was man sich wünschen kann – einen tollen Job, eine liebevolle Frau und zwei Töchter, auf die er sehr stolz ist.

Das ändert sich, als von einem Tag auf den anderen die Discountkette „DER LADEN“ beschließt, in Bill’s Heimatstadt Juniper eine Filiale zu eröffnen.

Bald kann jeder im LADEN kaufen, was er sich nur vorstellen kann, muss aber mit mehr als Geld dafür bezahlen.

Bill und seine Freunde Ben und Street sind von Anfang an skeptisch und versuchen, den Machenschaften des LADENS entgegenzuwirken.

Als Bills Töchter beginnen, für den LADEN zu arbeiten, spitzt sich die ohnehin schon gefährliche Lage weiter zu. …

Meine Meinung:

Bentley Little ist ein fantastischer Autor und hat mich auch mit seinem neuen Roman „Verderben“ voll und ganz überzeugt.

Vom ersten Kapitel an ist man komplett gefesselt und kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Bill Davis ist ein sympathischer Charakter. Er ist ein liebevoller Ehemann, fürsorglicher Vater und guter Freund – er ist beliebt. Leider bleibt er nicht lange der Good-Guy.

Der LADEN schafft es, ganz Juniper gegen ihn aufzuhetzen und bald steht er als derjenige da, der gegen den Fortschritt der Stadt ist. Zuerst ist Bill nur wütend und zornig, doch bald überwiegt bei ihm die Angst.

Der Leser kann auf jeder Seite an Bills Gefühlen teilhaben, man ärgert sich mit ihm über den LADEN, der systematisch alle Einzelhändler in Juniper vernichtet und fühlt sich bei den Passagen über die unheimlichen Nachtmanager verfolgt.

Ein großes Highlight des Romans sind definitiv die letzten Kapitel, die überraschen und schockieren zugleich.

Kleines Manko sind der verwirrende Umschlagtext („ … hierzu kann auch die Bitte zählen, den Hund des Nachbarn in den Fleischwolf zu stecken“ – kommt im Roman nicht einmal annähernd vor) und der eine oder andere schlampige Übersetzungsversuch („… Ginny haute ihr eine runter“ – ist in meinen Augen ein erbärmlich formulierter Satz).

Laut Umschlagtext erinnert Verderben an den Stephen King Roman „Needful things. In einer kleinen Stadt“, ist aber kein Nachahmungsroman, sondern ein großartiges eigenständiges Werk von einem mehr als talentierten Autor.

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Ketchum, Jack – Die Schwestern

Handlung:

Eigentlich ist es Zufall, dass die drei Freunde Bell, Hart und Mother (allesamt Männer des mittleren Westens des Jahres 1848) auf Elena treffen.

Die junge Frau wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Celine gefangen genommen und von den drei Valenzura-Schwester als Sklavin gehalten. Die drei Schwestern sind den alten Göttern Mexikos treu ergeben und leben nach deren Regeln, die sehr grausam und blutig sind.

 Schwer verletzt konnte Elena entkommen und hofft nun, dass die drei Männer ihr dabei helfen, ihre Schwester zu befreien und Rache zu üben.

Meine Meinung:

Diese Geschichte ist ohne Vor- und Nachwort nur knapp 70 Seiten lang und somit leicht in einem Rutsch durchzulesen – aber nicht nur aufgrund der geringen Seitenzahl.

Jack Ketchum schafft es wieder einmal mit Leichtigkeit, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln und man kann erst dann beruhigt durchatmen, wenn man weiß, wie „Die Schwestern“ ausgegangen ist.

Hauptfigur ist der Reporter Bell, der uns als „Ich-Erzähler“ durch die Geschichte führt und äußerst liebenswürdig ist. Er erscheint ein wenig unbeholfen, aber hat trotz seiner Vergangenheit im Wilden Westen das Herz am rechten Fleck.

Jack Ketchum setzt bei dieser Geschichte auf das besondere Flair des Western-Romans, vermischt mit einer gewaltigen Portion Horror (so wie wir es von ihm gewohnt sind). Er beschreibt Landschaft und Leute, setzt Akzente und lässt uns das Böse in jedem von uns nicht nur erahnen, sondern auch deutlich spüren.

Die Geschichte endet für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Viele Dinge geschehen zu schnell und auf einmal ist alles vorbei und man fragt sich: War es das? Passiert wirklich nichts mehr? Bezieht sich der Romantitel jetzt auf Elena und Celine oder auf die drei Valenzura-Schwestern? Für mich war es schade, nicht zu wissen, wie es mit Elena und Celine weitergeht. Manchmal reicht ein Happy-End oder Nicht-Happy-End einfach nicht um den Leser glücklich zurückzulassen.

So kann ich mich nur auf den nächsten „Ketchum“-Roman freuen und hoffen, dass dieser genauso spannend ist wie „Die Schwestern“ aber dafür etwas länger.

Laymon, Richard – Der Regen

Handlung:

Bixby ist eine ganz normale Kleinstadt – bis nach dem Mord an einem afroamerikanischen Schüler schwarzer Regen fällt und alle, die damit in Berührung kommen, in grausame Monster verwandelt.

Sie werden sexuell erregt und wollen gleichzeitig andere auf brutalste Weise töten und sie leiden sehen.

Unter den Bewohnern Bixbys bricht Panik aus als man erkennt wie man die Wirkung des schwarzen Regens umkehren kann und trotzdem einige Jugendliche mit ihrem kranken Mordfantasien weitermachen.

Meine Meinung:

„Der Regen“ ist ein weiterer Roman des 2001 verstorbenen Kultautors Richard Laymon, in welchem er sich zusätzlich zu Mord und Vergewaltigungen auch mit Zombies befasst.

Einmal mit dem schwarzen Regen in Berührung gekommen, wird der Mensch zum Tier, die niedrigsten Triebe werden geweckt. Man will vergewaltigen, aufschlitzen, aufspießen, töten und Blut und Fleisch schmecken. Man hat keine Chance diesem Trieb zu entkommen.

Richard Laymon hat auch hier in diesem Roman wieder seine Hauptprotagonisten gut ausgesucht. Junge Menschen, ein Ehepaar mit Kind, ein Polizist – keiner bleibt verschont. Einige davon werden getötet, einige andere überleben – eigentlich nichts Neues.

Erschreckend ist die Tatsache, dass sich unter die infizierten Zombies Menschen mischen, die auch ohne schwarzen Regen gerne morden und vergewaltigen. Für sie ist der Regen eigentlich nichts Besonderes, auch wenn sie ihn als genauso angenehm empfinden wie die anderen Menschen.

Laymon serviert uns hier ein weiteres Werk, welches mit einem einfach gehaltenen Schreibstil, einer fesselnden Handlung und spannenden unerwarteten Momenten, beeindruckt.

King, Stephen – Die Arena

Handlung:

An einem ganz normalen Oktobertag verändert sich das Leben der Bewohner der Kleinstadt Chesters Mill für immer.

Eine unsichtbare Kuppel senkt sich über die Stadt und verbreitet binnen kürzester Zeit Angst und Schrecken.

Sie ist unzerstörbar und während in the Mills die Nahrungs- und Gasvorräte knapp werden teilen sich die Einwohner in zwei Lager:

Die einen versuchen einfach nur zu überlegen, während die anderen versuchen die Macht an sich zu reißen…

Meine Meinung:

Nach monatelangem Warten konnte ich endlich „Die Arena“ in Händen halten und das neue Meisterwerk meines Lieblingsautors lesen – und ich wurde nicht enttäuscht:

Auf knapp 1300 Seiten hat Stephen King eine fiktive Stadt zum Leben erweckt, und mit ihr viele Menschen, die einem für lange im Gedächtnis bleiben werden. Es gibt die Guten und die Bösen, die Gleichgültigen und die Hilfsbereiten, die Alten und die Kinder, die Opfer und die Täter. In Chesters Mill ist jeder Charakter vertreten. Es ist bewundernswert, wie King diese Menschen miteinander agieren lässt, wie er es geschafft hat, aus jedem Menschen das Möglichste herauszuholen und somit nicht nur Romanfiguren zu erschaffen sondern sie auch zum Leben zu erwecken.

Je mehr Seiten ich umgeblättert habe, desto erschütterter wurde ich. Wie können sich Menschen innerhalb weniger Tage in Monster verwandeln? Wie kann aus einer friedlichen Stadt nach wenigen Tagen ein Ort werden, wo nur mehr das eigene Leben zählt und Menschenleben keinen Cent mehr wert sind? Wo Macht wichtiger ist als alles andere und die Aussage „Opfer müssen eben gebracht werden“ der neue Leitspruch ist.

Natürlich gibt es auch „Under the Dome“ (Titel der Originalausgabe) den Superschurken und den großen Helden. Bis zum letzten Kapitel war ich mir nicht sicher, ob Barbie, Julia und die anderen überleben werden oder ob Big Jim Rennie (wie kann ein Mensch nur so machtgierig sein?) nicht doch am längeren Hebel sitzt.

Stephen King glänzt meiner Meinung wieder einmal mit einer genialen Idee, einer gut recherchierten Umsetzung und liebevoll detailliert gestalteten Charakteren, die die ganze Geschichte rund um die durchsichtige aber undurchdringliche Kuppel über einer kleinen Stadt im Bundesstaat Maine glaubwürdig erscheinen lassen.

„Die Arena“ ist ein Roman für eingefleischte King-Fans, Leser die lange Romane mögen und nicht nur für kalte Oktoberabende, an denen wir sehnsüchtig auf Halloween warten.

Laymon, Richard – Die Jagd

Handlung:

Jody führt ein ganz normales Teenagerleben – bis zu dem Abend an dem sie bei ihrer besten Freundin Evelyn übernachtet und Zeuge wird, wie Unbekannte ins Haus eindringen und Evelyn und ihre Eltern brutal umbringen.

Jody und Evelyns Bruder Andy können in letzter Sekunde fliehen und sich verstecken.

Doch der Alptraum hat gerade erst begonnen. Denn die Krulls, eine Bande junger Männer die aus Spaß foltern und töten, dulden keine Überlebenden.
Die Jagd beginnt.


Meine Meinung:

Wieder ein Laymon, der voll und ganz überzeugt. Gleich auf den ersten Seiten legt der (2001) verstorbene Kultautor aus den USA die Basis für ein weiteres Meisterwerk voll Gewalt, Spannung und Überraschungen.

Jody und Andy sind Jugendliche, die eines Nachts mit der Grausamkeit mancher Menschen konfrontiert werden. Und sei es nicht genug, geliebte Menschen zu verlieren, müssen sie nun selbst um ihr Leben fürchten.

Positiv an diesem Roman ist mir aufgefallen, dass diesmal nicht nur das Opfer zu Wort kommt, sondern auch einer der Mörder.

Simon, überzeugtes Mitglied der Krulls, beschreibt aus seiner Sicht, was geschehen ist und verrät nicht nur Details aus der Vergangenheit der Gang sondern auch wie es weitergehen soll. Somit weiß der Leser, auf was er sich gefasst machen kann und hofft und bangt mit Jody und Andy mit.
Können sie Simon und den anderen entkommen oder endet „Die Jagd“ mit Vergewaltigung und Mord (so wie viele Romane von Richard Laymon)?

Obwohl dieser Roman weniger sexlastig ist als zum Beispiel „Die Insel“ oder „Das Spiel“, kann man ihn trotzdem nur schwer aus der Hand legen. Flüssige Sätze und eine Handlung die immer wieder Überraschungen bereit hält – mehr kann man von einem Laymon-Roman nicht erwarten.

King, Stephen – Dolores

Handlung:

Dolores Claiborne ist noch sehr jung, als sie Joe St. Georg kennenlernt und von ihm schwanger wird.

Die beiden heiraten und Dolores bekommt noch zwei weitere Kinder von ihm.

Um die Schulden der Familie bezahlen und Joe’s Spielsucht finanzieren zu können nimmt Dolores einen Job bei Vera Donovan an und wird ihre Haushälterin.

Viele Jahre später muss sich Dolores vor der Polizei verantworten. Was hat sie mit dem Tod von Vera Donovan zu tun?

Sie erzählt den Beamten ihre Geschichte, vom Anfang bis zum Ende, und viele ungeklärte Dinge werden ins rechte Licht gerückt.

Ist Dolores die Mörderin ihrer Arbeitgeberin und hat sie vielleicht auch ihren Mann auf dem Gewissen?

Meine Meinung:

„Dolores“ erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr Leben lang kämpfen musste. Zuerst um Geld, danach um ihre Tochter und zum Schluss um Gerechtigkeit.

Dieser Roman von Stephen King ist ein einziges Gespräch, welches von Dolores geführt wird. Sie sitzt auf der Polizeiwache und erzählt zwei Polizisten und einem Mädchen, das Protokoll führen soll, was passiert ist. Man hört niemand der anderen zu Wort kommen, sie alleine spricht. Diese Tatsache verleiht dem Roman etwas Ungewöhnliches, Neuartiges und gleichzeitig Bekanntes. Jeder von uns kennt innere Monologe, und dieser Roman ist eben ein etwas längerer Monolog.

Man bekommt tiefen Einblick in die menschlichen Abgründe der Seele, lernt gute und weniger gut Menschen kennen und leidet mit der Hauptprotagonisten mit, die es nie leicht in ihrem Leben hatte.

Dolores ist ein sehr ausgeprägter Charakter und während dem Lesen bekommt man durch ihr freies, offenherziges und direktes Sprechen den Eindruck, man würde sie schon immer kennen.

Auch Vera nimmt den Leser sofort gefangen. Zu Anfang an glaubt man, sie ist einfach nur ein boshaftes Biest aber zum Ende der Geschichte nimmt alles eine Wendung und möglicherweise kann man sich ein wenig in Vera hineinversetzen und mit ihr mitfühlen.

„Dolores“ eignet sich hervorragend zum in-einem-rutsch-durchlesen bzw. ist ein Roman, bei dem man hervorragend abschalten kann.

King, Stephen – Duddits

Handlung:

Eines Tages retten Pete, Jonesy, Henry und Biber einen behinderten Jungen namens Duddits und werden seine neuen Freunde.

Von diesem Tag an ist nichts mehr für sie wie es einmal war.

Duddits verleiht ihnen eine seltene Gabe.

Auch Jahre später sehen die vier mittlerweile erwachsen gewordenen Männer Dinge, die andere nicht sehen, und diese Tatsache könnte ihnen das Leben retten als sie wie jeden Herbst zu einem Jagdausflug nach Maine aufbrechen.

Der Wald wird nach dem Auftauchen von Aliens unter Quarantäne gestellt und Pete, Jonesy, Henry und Biber befinden sich in Lebensgefahr. Als es scheinbar nicht mehr schlimmer kommen kann erinnern sie sich an ihren alten Freund Duddits. Wird er ihnen helfen können?

Meine Meinung:

Stephen King hat sich bei diesem Roman vielleicht nicht gerade selbst übertroffen, aber dennoch ein solides Werk geschrieben.

Trotz einiger Kapitel, die „Duddits“ unnötig in die Längen ziehen, hatte ich beim Lesen das Gefühl, mitten unter den 4 Freunden zu stehen und hautnah alles mitzuerleben – egal ob in ihrer Kindheit oder als sie als Erwachsene weiterhin Abenteuer erleben.

Dieser Roman handelt von „der“ Alieninvasion bei der unsere Freunde aus dem Weltall versuchen, unseren Planeten zu besiedeln und uns zu versklaven. Parallelen zu früheren UFO-Sichtungen werden gezogen und die Außerirdischen bekommen schnell einen nicht besonders vorteilhaften Ruf.

Jagdszenen folgen auf Militärangriffe und natürlich dürfen auch blutige Momente nicht fehlen.

Die Existenz von Duddits, der geistig behindert ist und als erwachsener Mann schwer erkrankt, verleiht der ganzen Geschichte einen Hauch von Schwere und Traurigkeit, trotz alledem kann man Duddits nur liebgewinnen und mit ihm mitfühlen.

Duddits als der Held dieser Geschichte macht den gleichnamigen Roman zu einem Leseerlebnis, das  man sich auf keinen Fall entgehen lassen konnte.

Zusatzinformation:

„Duddits“ wurde (wie viele Stephen King-Romane) unter dem Titel „Dreamcatcher“ mit Morgan Freeman und Donnie Wahlberg (als Duddits) verfilmt