Lebert, Benjamin – Flug der Pelikane

6. April 2010 at 07:48 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Der 24-jährige Anton wird von seiner Freundin Eleanor verlassen und um dem Liebeskummer zu entfliehen beschließt er den Sommer über in New York bei seinem Onkel Jimmy zu verbringen, der ein kleines Restaurant in Manhattan betreibt.

Anton verbringt seine Zeit als Aushilfe in Jimmys Restaurant und erfährt neben der Arbeit viel über seinen Onkel, der ihm nicht nur Persönliches aus seinem Leben erzählt, sondern Jimmy auch an seiner großen Leidenschaft teilhaben lässt: der Gefängnisinsel Alcatraz.

Anton verliert sich innerhalb kürzester Zeit in den spannenden Geschichten und wird wie sein Onkel zu einem Alcatraz-Fan – bis sein Leben erneut auf den Kopf gestellt wird.

Meine Meinung:

Benjamin Lebert kann einfach gut schreiben. Er schafft es innerhalb von wenigen Seiten den Leser in seinen Bann zu ziehen und erst wieder loszulassen, wenn seine Geschichte zu Ende ist.

Bei „Flug der Pelikane“ macht er keine Ausnahme. Auf weniger als 200 Seiten entführt er uns nach Manhattan/New York, lässt uns die Stadt und Menschen besser kennen- und lieben lernen. Mit einer Vorliebe fürs Detailgetreue vermittelt er uns das faszinierende Gefühl, selbst am Ort des Geschehens zu sein.

Und als würden perfekt ausgearbeitete Charaktere und gute Rahmenbedingungen für eine spannende Handlung nicht genügen, versorgt uns Benjamin Lebert noch dazu mit Details über die Gefangeneninsel Alcatraz. Die jeweiligen Absätze im Roman sind gut recherchiert, entsprechen ausnahmslos den Tatsachen und gewähren tiefe Einblicke in das Leben der damaligen Gefangenen.

Benjamin Lebert hat mit 17 Jahren seinen ersten Roman veröffentlicht. „Flug der Pelikane“ ist sein Vierter. Ich hoffe, er schreibt noch lange weiter und begeistert uns mit Romanen, die einen berühren und für wenige Stunden den Alltag vergessen lassen.

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Picoult, Jodi – Das Herz ihrer Tochter

16. Februar 2010 at 17:14 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Das Leben von June Nealson ändert sich von einem Tag auf den anderen – an dem Tag, an dem der Handwerker Shay Bourne ihre Tochter und ihren Mann ermordet.

In einem Gerichtsprozess wird Shay von den Geschworenen für schuldig befunden und über ihn wird die Todesstrafe verhängt.

Er wartet elf Jahre lang auf die Vollstreckung des Urteils, bis er erfährt, dass Junes andere Tochter Claire einen Herzfehler hat und ohne Spenderherz bald sterben wird. Shay beschließt sein Herz zu spenden.

Meine Meinung:

Mit „Das Herz ihrer Tochter“ hat Jodi Picoult es geschafft, mir beim Lesen die Tränen in die Augen zu treiben. Die zentralen Themen Religion, Todesstrafe, Schuld, Leben und Sterben laden hier immer wieder zum Nachdenken und Mitfühlen ein.

Sehr gut gefallen hat mir, dass man nicht nur Junes Erfahrungen und Gefühle teilen kann. Neben ihr kommen noch Maggie, Shays Anwältin und Michael, Shays Seelsorger, zu Wort. Sie erzählen von Shay, dem Mörder, der zurückgezogen und schüchtern wirkt und ihrem Kampf für und mit einem Menschen, der einem sofort sympathisch ist, obwohl er zwei Menschenleben ausgelöscht hat.

Während dem Lesen habe ich mich ständig gefragt, ob Shay wirklich sterben wird und ob er sein Herz Claire spenden kann? Bis zum Ende war unklar, ob June das Herz überhaupt für ihre Tochter will und ob Shay bis zum bitteren Ende hinter seiner Entscheidung steht.

Auch das Thema Todesstrafe hat mich lange nicht losgelassen. Ich habe mich gefragt, ob ich für oder gegen die Todesstrafe bin und ob meine Entscheidung anders ausfallen würde, wenn ich ein Kind hätte.

Jodi Picoults Romane regen immer zum Denken an, und lassen einen auch dann nicht los, wenn man das Buch schon längst beendet hat (ähnlich wie bei „Beim Leben meiner Schwester“ und „19 Minuten“ – auch diese Bücher gehen mir oft nicht aus dem Kopf).

Mit einer umfangreichen spannenden Handlung (bis zum Ende war ich mir unsicher, wie das Buch ausgehen wird) und Hauptfiguren, die so lebendig wirken, als würden sie neben einem stehen ist dieser Roman (auch Dank der einfachen Schreibweise; abgesehen von den Kapiteln, in denen über Religion gesprochen wird) es einfach wert, gelesen zu werden. Das kleine Manko, dass ich mir auch jetzt noch über einige Ereignisse der Geschichte im Unklaren bin (Shays Wundertaten haben mich in ein großes Loch der Verwirrung gestürzt und nicht mehr daraus zurückgeholt), ändert nichts daran, dass dieses Buch definitiv ein Highlight meines Lesejahres 2010 ist.

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Brasme, Anne-Sophie – Dich schlafen sehen

29. Dezember 2009 at 10:59 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Charlene ist der typische Außenseiter. Nachdem ihre erste beste Freundin weggezogen ist, ist sie lange alleine. Sie ist still und verschlossen.

Das alles ändert sich, als sie mit 13 Sarah kennenlernt und die beiden Mädchen Freundinnen werden. Sarah ist beliebt, selbstbewusst und lustig – all das, was Charlene auch sein will. Die beiden sind unzertrennlich – bis Sarah eines Tages ihr wahres Gesicht zeigt.

Sie möchte Charlene besitzen und dominieren, ihr ihren Willen aufzwingen. Sie ist grausam, macht sich über sie lustig und ignoriert sie bewusst, um sie zu verletzen.

Bis Charlene nur mehr einen Ausweg sieht.

Meine Meinung:

„Dich schlafen sehen“ ist das bewegende Debut der französischen Schriftstellerin Anne-Sophie Brasme. In ihrem Roman beschreibt sie wie wunderschön und gleichzeitig erschreckend Freundschaften zwischen jungen Mädchen sein können.

Charlene und Sarah könnten nicht unterschiedlichere Charaktere sein. Die eine hat all das, was die andere nicht hat und sich sehnlichst wünscht, und weiß, wie sie diese Tatsache zu ihren Gunsten nützen kann.

Sarah kann man wirklich nur als grausam bezeichnen. Wenn sie Charlene braucht, ist sie nett zu ihr, ansonsten beachtet sie sie nicht und beleidigt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Charlene ist so auf diese Freundschaft (Liebe) fixiert, dass ihr die Gemeinheiten auf der einen Seite nichts ausmachen und sie auf der anderen Seite davon überzeugt ist, selbst etwas falsch gemacht zu haben.

Beide Mädchen sind sehr ausdrucksstark beschrieben und gewähren so tiefe Einblicke in ihrer beider Leben und ihre Freundschaft.

Mit 192 Seiten ist der Roman eher kurz gehalten, überzeugt jedoch durch eine einfache Sprache (in der Charlene als Ich-Erzähler auftritt) und viele gefühlvolle Momente.

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Zusak, Markus – Die Bücherdiebin

27. Dezember 2009 at 13:06 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Liesel ist 9, als sie von ihrer leiblichen Mutter in die Hände von Rosa und Hans Hubermann übergeben wird. Ihre Pflegeeltern geben ihr ein neues Zuhause und Hans Hubermann bringt ihr sogar das Lesen bei.

Liesel liebt Bücher und das Lesen – und so ist es nicht verwunderlich, dass sie beginnt, Bücher zu stehlen, anfangs ohne groß darüber nachzudenken und später dann in vollem Bewusstsein. Eines Tages bleibt es nicht bei den Büchern.

Mit ihrem besten Freund Rudi beginnt sie Äpfel gegen den Hunger zu stehlen. Dabei hat sie nicht bemerkt, dass sie schon lange das Herz von Rudi gestohlen hat, ebenso wie das Herz ihrer Pflegeeltern und Max, einem Juden, den sie während des 2. Weltkrieges in ihrem Keller verstecken.

Eines Tages hält der Krieg Einzug in der Straße in der Liesel wohnt und alles ändert sich.

Meine Meinung:

„Die Bücherdiebin“ ist ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite tief beeindruckt hat. Anfangs war es sehr gewöhnungsbedürftig einen Roman zu lesen, der von niemand geringerem als dem Tod persönlich erzählt wird. Wenn man mit ihm die Seelen der Toten abholt und davonträgt, kann man sich einer Gänsehaut nicht erwehren.

Schauplatz ist Molching bei München zur Zeit des 2. Weltkrieges. Liesels Vater ist gegen Hitler und die NSDAP und auch sonst ein sehr sympathischer Mann. Er kümmert sich rührend um seine Pflegetochter und nimmt dann auch noch einen Juden auf, der sonst zum Tode verurteilt ist. Auch Rosa, seine Frau ist trotz ihres harten Äußeren eine sehr liebe Frau, die ihre Zuneigung durch Worte wie „Saukerl“ und „Saumensch“ zum Ausdruck bringt. Dann gibt es noch Rudi, Liesels besten Freund, der mehr Unsinn im Kopf hat als jeder andere und Max der Jude, der mit Liesel die Liebe zu Wörtern und Büchern teilt.

Markus Zusak hat in seinem Roman Figuren erschaffen, die einen auch lange nach der Beendigung dieser Lektüre nicht verlassen werden (sogar der Tod war mir stellenweise sehr sympathisch). Er hat aus einem heiklen Thema (jeder weiß, dass die Jahre des 2. Weltkrieges voller Grausamkeit, Menschenverachtung und Hass gespickt waren) eine großartige Geschichte gemacht, hat uns an einem Stück Zeitgeschichte teilnehmen lassen und hat uns bis zum Ende Hoffnung geschenkt.

Ich werde an dieser Stelle natürlich nicht verraten, ob die Hoffnung erhalten bleibt oder nicht, aber ich kann gerade so viel verraten:

Liesel hat am Ende von „Die Bücherdiebin“ nicht nur die Herzen ihrer Familie und Freunde gestohlen, sondern auch das Herz manchen Lesers.

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Kluun – Mitten ins Gesicht

12. Dezember 2009 at 12:13 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Stijn und Carmen sind glücklich verheiratet. Sie haben eine kleine Tochter namens Luna, beide besitzen eine eigene Firma und dementsprechend Geld.

Bis bei Carmen eines Tages Brustkrebs diagnostiziert wird. Von nun an bestimmen Chemotherapien und Schmerzen ihr Leben.

Stijn tut alles um seiner Frau zu helfen und ihr Leben zu erleichtern. Doch irgendwann wird ihm alles zu viel und er wendet sich seinem großen Hobby zu: er schläft mit anderen Frauen.

Und so bereiten sich Stijn und Carmen jeder auf seine eigene Art und Weise auf das große Finale vor. …

Meine Meinung:

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dass meine Gefühle so zwiegespalten hat wie dieses.

Auf der einen Seite wollte ich das Buch nicht mehr weiterlesen, weil ich nicht verstehen konnte, wie Stijn seiner Frau so etwas antun kann. Auf der anderen Seite konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich wissen musste, wie es mit Carmen weitergeht, ob sie den Kampf gegen den Krebs gewinnt oder verliert und ob Stijn sich vielleicht doch ändert.

Stijn war Carmen von Anfang an untreu, das Fremdgehen war wie eine Sucht für ihn. Ich hatte das Gefühl, je schlimmer der Gesundheitszustand seiner Frau wurde, desto mehr hatte er das Bedürfnis mit anderen Frauen zu schlafen. Das macht ihn nicht unbedingt zu einem sympathischen Charakter. Trotzdem war er immer für seine Frau da, während der Chemotherapie, als ihre Brust amputiert wurde, als ihre Haare ausfielen, er blieb sogar in ihren schlimmsten Stunden an ihrer Seite. Das sollte man ihm hoch anrechnen.

Wie die beiden mit dem Tod umgehen und ihre dreijährige Tochter darauf vorbereiten hat mich sehr gerührt und mir mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben. Es muss schwer sein als Mutter zu wissen, dass man bald nicht mehr für das eigene Kind da sein kann und dass man es nicht aufwachsen sehen wird.

Kluun hat hier einen Roman geschaffen, der die Gemüter berühren und aufmischen wird. Tränen und Lachen werden sich abwechseln und zum Schluss wird man es nicht bereut haben, das Buch zu Ende gelesen zu haben.

Kleines Manko sind die musikalischen Zitate am Anfang jedes Kapitels. Sie sind für Handlung und Verstehen des Romans unnötig und unterbrechen nur den Lesefluss.

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Barbery, Muriel – Die Eleganz des Igels

28. September 2009 at 10:48 (Sonstige Belletristik)

die eleganz des igelsHandlung:

Renée ist Concierge in der Rue de Grenelle 7, einem Mehrparteienhaus mitten in Paris.

Paloma, ein zwölfjähriges Mädchen, wohnt ebenfalls mit ihrer Familie in der Rue de Grenelle 7.

Beide, Renée und Paloma, sind überdurchschnittlich intelligent und wissbegierig, versuchen dies aber vor anderen Menschen zu verbergen.

Renée möchte dem Bild einer Concierge entsprechen, dumm und einfältig erscheinen. Paloma sieht keinen Sinn in ihrem Leben und darin, erwachsen zu werden.

Erst als Kakuro Ozu in die Rue de Grenelle 7 zieht, verändert sich alles. Wird es für Renée, Paloma und die anderen Hausbewohner ein Happy End geben?

Meine Meinung:

„Die Eleganz des Igels“ hat mich leider nicht überzeugt. Muriel Barbery hat die Wirkung einer an und für sich großartigen Handlung dadurch zerstört, dass er zum Teil Fremdwörter verwendet hat, die man nur kennen kann, wenn man mindestens einen Doktortitel aufweist.

Während dem Lesen dauernd zum Wörterbuch greifen zu müssen, nur um zu verstehen, dass Renée und Paloma um einiges intelligenter sind als man selbst, verdirbt einem den Lesespaß und lässt den Wunsch aufkommen, bald mit diesem Roman fertig zu sein.

Renée und Paloma sind zwei sehr sympathische Menschen. Man fühlt von der ersten Seite mit ihnen mit und schließt die beiden schnell ins Herz (auch wenn man vielleicht nicht alles verstanden hat, was sie einem mitteilen wollen).

Auch Kakuro Ozu ist jemand, den man so schnell nicht vergessen wird. Ebenfalls sehr intelligent, fällt er vor allem durch seinen liebenswürdigen Charakter auf.

Trotz einiger Textschwierigkeiten ist „Die Eleganz des Igels“ aufgrund von ausgereiften Charakteren und eines interessanten Happy-Ends (???) einen Leseversuch wert.

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Barreau, Nicolas – Die Frau meines Lebens

28. September 2009 at 08:09 (Sonstige Belletristik)

Die+Frau+meines+Lebens

Handlung:

Antoine ist ein 32-jähriger Buchhändler, für den Romane nicht nur Fiktion, sondern auch Wirklichkeit sind.

Eines Tages begegnet er in einem Cafe seiner Traumfrau, weiß aber nicht, wie er sie ansprechen soll.

Als sie das Cafe verlässt, gibt ihm die schöne Unbekannte einen Zettel mit ihrer Telefonnummer und dem Vermerk, er solle sie anrufen, denn sie würde ihn gern wiedersehen.

Wie das Schicksal es so will, passiert Antoine ein Malheur und nun kann er die letzte Zahl der Telefonnummer nicht mehr entziffern. Er beschließt jede Ziffer auszuprobieren, schließlich sind 10 Telefonnummern nicht viel, wenn man seine Traumfrau wiederfinden will.

Was Antoine erst nach und nach begreift. Die Suche gestaltet sich schwieriger als erwartet … und er hat nur 24 Stunden Zeit.

Meine Meinung:

„Die Frau meines Lebens“ ist ein wunderbarer Roman für einsame Stunden, wenn der Regen gegen die Fensterscheiben prasselt und man warm in eine Decke gekuschelt Sehnsucht nach einer Liebesgeschichte hat.

Antoine ist ein besonderer Charakter. Er ist Single, glaubt aber trotzdem an Liebe auf den ersten Blick und ist bereit, für seine Traumfrau zu kämpfen und nicht aufzugeben. Er tut alles ihm Mögliche, um die schöne Isabelle zu finden, bevor es für ihn, oder sie beide zu spät ist.

Nicholas Barreau hat mit diesem Roman eine wunderschöne Geschichte geschaffen, mit spannenden Momenten, Momenten die zum Träumen einladen und eventuell einigen Tränen, wenn man nicht mehr weiß, ob man sich für Antoine freuen oder mit ihm traurig sein soll.

Diesen Roman mit 140 Seiten kann man bequem in einem Rutsch durchlesen, generell kann es einem schwer fallen, das begonnene Buch aus der Hand zu legen. Ein leichter Schreibstil in der Ich-Erzähl-Form und ein sympathischer Hauptcharakter – ein Buch zum weiterempfehlen.

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Walker, Alice – Die Farbe Lila

9. September 2009 at 12:27 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

“Die Farbe Lila” erzählt die Geschichte einer jungen Schwarzen namens Celie, die in oftmals verzweifelten Briefen an Gott von ihrem Leben erzählt.

Zuerst wurde sie von ihrem eigenen Vater missbraucht und ihrer Kinder beraubt, dann musste sie einen Mann heiraten den sie nicht liebt und der sie nicht liebt.

Komplett alleine und mit dem Gedanken, ihre Schwester Nettie wäre tot, findet sie sich mit der grausamen Situation ab.

Jahrelang muss sie für ihren Mann, Mr. — genannt, und seine Kinder den Haushalt führen – bis zu dem Tag, an dem sie seine Geliebte Shug kennenlernt und sich in sie verliebt.

Meine Meinung:

Ich habe “Die Farbe Lila” gelesen ohne vorher den Film gesehen zu haben und ich weiß nicht, ob ich ihn mir jemals ansehen möchte, jetzt, da ich den Roman kenne.

Celie wuchs zu einer Zeit auf, in der Schwarze in Amerika nichts wert waren, nichts zu sagen hatten und von Glück reden konnten, dass sie keine Sklaven mehr sein mussten. Sie wurde von ihrem Vater wie ein Stück Vieh behandelt und da sie daran gewöhnt war, fand sie auch an der Behandlung ihres Mannes nichts Ungewöhnliches. Sie arbeitet von Früh bis Spät, stellte keine Ansprüche und fand sich mit diesem Leben ab.

Wenn man liest, wie manche Männer ihre Frauen/Töchter behandeln, könnte man nur noch weinen. Celie ist in den Augen vieler kein Mensch, eher ein Spielball und Arbeitstier, welches man nach Lust und Laune quälen kann. Erst nach und nach lernt und begreift die junge Frau, dass es auch anders geht. Ausgerechnet die Geliebte ihres Mannes ist freundlich zu ihr und wird bald ihre beste Freundin und Vertraute. Nach und nach schafft es Celie, sich aus diesem Leben zu befreien und schafft es so, das Buch zu einem guten Abschluss zu bringen. Wo man kein Happy-End erwartet, scheint es doch eines zu geben.

Zu Anfang wird man sich beim Lesen von “Die Farbe Lila” vielleicht etwas schwer tun, da Celie schreibt, wie sie spricht und sich eines stark ausgeprägten “Südstaaten-Dialektes” bedient, aber man gewöhnt sich schnell an Celies Mundwerk und möchte es nach den ersten paar Seiten nicht mehr missen.

“Die Farbe Lila” – ein Roman, der zum denken anregt und viele Fragen stellt und auch beantwortet.

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Kling, Marc-Uwe – Die Känguru-Chroniken

9. September 2009 at 12:25 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Marc-Uwe Kling beschreibt in seinem Roman “Die Känguru-Chroniken” das Zusammenleben mit einem Beuteltier.

In jeweils kurzen Geschichten erzählt er davon wie es ist, mit einem vorlauten Känguru zusammenzuwohnen, das nicht im Haushalt helfen will, sarkastisch und provokant ist und bei jeder sich bietenden Gelegenheit seiner Gewaltbereitschaft freien Lauf lässt.

Die beiden entwickeln eine innige Freundschaft, können nicht mit, aber auch nicht ohneeinander und sind trotz alledem immer für einander da.

Meine Meinung:

Selten habe ich beim Lesen eines Buches so viele Tränen gelacht.

Marc-Uwe Kling hat es geschafft, seinen ganzen Witz, Charme und liebenswerten Sarkasmus in ein Känguru zu stecken, welches in seiner manchmal gewalttätigen und zerstörerischen Kreativität einzigartig und unwiderstehlich ist.

Die Pläne, die die beiden Mitbewohner aushecken sind mitunter sonderbar, aber trotzdem zum Schreien komisch und animieren zum weiter- und weiterlesen.

Positiv erwähnen muss ich an erster Stelle, dass in diesem Roman fast keine Rechtschreibfehler zu finden sind. Hier wurde gründlich Korrektur gelesen.

Der große Nachteil dieses Werkes ist, dass es irgendwann ein Ende hat und man sich von Marc-Uwe und dem Känguru mit den roten Boxhandschuhen verabschieden muss.

Vielleicht nimmt sich der Autor dieses großartigen Buches ein Herz und arbeitet schon fleißig an einer Fortsetzung.

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Lessing, Doris – Das fünfte Kind

9. September 2009 at 12:23 (Sonstige Belletristik)

Handlung:

Als die beiden Außenseiter Harriet und David zueinanderfinden und sich ineinander verlieben, könnten sie nicht glücklicher sein.

Sie beschließen zu heiraten und viele Kinder zu bekommen.

Ein großes Haus wird gekauft und bald tummeln sich darin die Familienmitglieder und Verwandten von Harriet und David.

Ihr erstes Kind wird geboren und es folgen noch weitere, die zum Glück der Großfamilie beitragen.

Dann wird Harriet wieder schwanger. Diese Schwangerschaft ist für die zufriedene Mutter komplett anders und auch die Geburt von Ben ändert nichts an diesem Zustand.

Ben ist gemein zu allem und jedem, ist bösartig und akzeptiert niemanden. Wird durch sein finsteres Wesen die Familie für immer auseinanderbrechen?

Meine Meinung:

“Das fünfte Kind” handelt von Liebe, Hass und Unsicherheit. Harriet und David sind verliebt, glücklich und voller Hoffnung. Sie glauben, sie könnten alles schaffen, komme was wolle.

Auch ihre Familien stehen hinter ihnen, aber nur, bis die ersten Probleme auftauchen.

Ein schwererziehbares Kind, das niemanden toleriert und nur Böses im Sinn hat, kann eine große Herausforderung sein. Leider kommt Harriet, die versucht, das Gute in ihrem Sohn zu finden, niemand zur Hilfe. Sie wird nur verurteilt und im Stich gelassen.

Doris Lessing ist mit diesem Roman ein wundervolles Werk gelungen, in dem sie vom Zusammenhalt und Auseinanderbrechen einer Familie erzählt, von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und Glück und Unglück.

Man kann mit Harriet und David mitfühlen, kann sie beide und auch das Verhalten der restlichen Familie verstehen. Alle Charaktere sind schlüssig und handeln im Großen und Ganzen nicht unverständlich.

“Das fünfte Kind” ist teilweise leichte Lektüre für zwischendurch und teilweise ein erschreckender beängstigender Roman über die menschlichen Abgründe der Seele.

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